Am 29. Juni feiert der neue Netflix-Film „23.000 Leben“ beim Filmfest München Weltpremiere, ab dem 17. Juli ist er weltweit auf Netflix zu sehen. Der Film erzählt die Geschichte der Iuventa, eines deutschen Rettungsschiffs, das Menschen auf der Flucht im zentralen Mittelmeer rettete, bis italienische Behörden es beschlagnahmten und die Crew vor Gericht stellten. Was er zeigt, ist auch heute noch Realität: Menschen sterben, weil die EU sichere Fluchtwege verhindert, staatliche Rettung verweigert, zivile Seenotrettung kriminalisiert und libysche Milizen finanziert, die gewaltsam gegen Schutzsuchende und NGO-Schiffe vorgehen.
Louis Hofmann, Hauptdarsteller:
„Immer noch sterben jedes Jahr Tausende Menschen im Mittelmeer. Das darf niemals Normalität werden. Menschen sterben dort nicht, weil Rettung unmöglich wäre, sondern weil politische Entscheidungen sie verhindern. Der Film soll dazu beitragen, dass mehr Menschen hinschauen und aktiv werden.“
Die Iuventa war ab 2016 im zentralen Mittelmeer im Einsatz. In dieser Zeit war die Crew an der Rettung von mehr als 23.000 Menschen beteiligt. 2017 wurde das Schiff von italienischen Behörden beschlagnahmt und gegen Crewmitglieder ein Verfahren wegen Beihilfe zur unerlaubten Einreise eingeleitet. Das Vorgehen wurde unter anderem von der Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen zur Lage von Menschenrechtsverteidigern als Versuch der Einschüchterung kritisiert. Nach sieben Jahren wurde das Verfahren schließlich eingestellt. Der Richter urteilte, dass alle Rettungen notwendig waren, um Menschen die Flucht aus den libyschen Lagern zu ermöglichen. Die Iuventa verrostete währenddessen im Hafen von Trapani und wurde 2024 als Wrack zurückgegeben.
„Unsere Geschichte wird jetzt in einem Netflix-Film erzählt – sie endete mit einem Freispruch. Doch jedes Jahr werden in Italien Hunderte Schutzsuchende mit der gleichen Anklage tatsächlich zu Haftstrafen verurteilt, nur weil sie auf der Flucht das Boot gesteuert haben. Ihre Geschichten kennt kaum jemand. Das muss sich ändern“,
sagt Sascha Girke, Teil der Iuventa-Crew und einer der Angeklagten.
Zahlreiche ehemalige Iuventa-Crewmitglieder sind heute aktiv bei Sea-Watch. Die Schiffe und Flugzeuge von Sea-Watch sind noch immer dort im Einsatz, wo einst die Iuventa fuhr. Denn die politische Realität, gegen die sich die Iuventa stellte, besteht bis heute fort: Die EU zwingt Menschen auf der Flucht auf lebensgefährliche Routen, behindert und kriminalisiert zivile Rettung – und lagert Menschenrechtsverletzungen an Drittstaaten aus.
Julia Winkler, Sprecherin von Sea-Watch:
„Die Kooperation mit libyschen Akteuren und die Auslagerung schwerster Gewalt kommen auch im Film vor. Heute findet diese Politik in noch größerem Ausmaß statt: Die Europäische Union, einschließlich Deutschland, bezahlt libysche Milizen dafür, dass sie Menschen auf der Flucht gewaltsam abfangen und in Lager verschleppen, die vom Auswärtigen Amt selbst als ‚KZ-ähnlich‘ beschrieben wurden.“
Wie aktuell diese Politik ist, zeigte sich erst im Mai 2026 bei einem Rettungseinsatz der Sea-Watch 5. Bewaffnete libysche Akteure, die sich als libysche Küstenwache identifizierten, gaben Schüsse ab und drohten, das Schiff nach Libyen zu entführen. Nach der Ankunft in Italien verkündeten die italienischen Behörden strafrechtliche Ermittlungen gegen den Kapitän Anne van Dam der Sea-Watch 5 wegen Beihilfe zur unerlaubten Einreise. Zum ersten Mal seit sechs Jahren wird damit wieder gegen einen Kapitän eines zivilen Rettungsschiffs strafrechtlich ermittelt. Auch in dieser Hinsicht ist der Film tagesaktuell.











