Berlin/Lampedusa, 04.06.26 – Sea-Watch nimmt ein neues Rettungsschiff in Betrieb: Mit der Aurora 2 reagiert die Organisation auf die wiederholten Festsetzungen ziviler Rettungsschiffe durch die italienischen Behörden. Künftig kann Sea-Watch auch dann im Einsatz bleiben, wenn eines ihrer Schiffe blockiert wird. Während ein Schiff festgesetzt ist, steht das andere für Rettungseinsätze bereit. Die Strategie der ultra-rechten Regierung, die Rettung von Menschen durch Festsetzungen einzuschränken, läuft damit ins Leere.
Julia Winkler, Sprecherin der Organisation Sea-Watch:
„Italien setzt Schiffe fest, um Rettungen zu verhindern – mit der Aurora 2 sorgen wir dafür, dass diese Strategie nicht aufgeht. Wenn ein Schiff blockiert wird, ist das andere einsatzbereit. Die Aurora 2 ist unsere Kampfansage an die Versuche der ultra-rechten italienischen Regierung, die zivile Seenotrettung im Mittelmeer zu behindern.“
Auf dem Mittelmeer entscheidet Schnelligkeit über Leben und Tod. Jeder Seenotfall ist ein Wettlauf mit der Zeit. Sea-Watch betreibt deswegen neben dem großen Schiff Sea-Watch 5 auch ein kleineres und schnelleres Schiff – die Aurora. Die Aurora erreicht Höchstgeschwindigkeiten bis zu 25 Knoten und kann so Menschen in Seenot schnell erreichen. Mit der Aurora 2 erweitert die Organisation nun gezielt ihre Einsatzfähigkeit.
Die Anschaffung der Aurora 2 ist eine direkte Antwort auf die politische Praxis der ultra-rechten italienischen Regierung, zivile Rettungsschiffe systematisch festzusetzen. Seit 2023 hat das Kabinett Meloni mehr als vierzigmal zivile Seenotrettungsschiffe im Hafen festgesetzt. Dadurch sind der gesamten zivilen Flotte mehr als 900 Einsatztage verloren gegangen. Auch die Aurora wurde bereits fünfmal blockiert. Mehrmals haben italienische Gerichte die Festsetzungen anschließend aufgehoben. Bis zu den jeweiligen Gerichtsentscheidungen hat die Aurora jedoch insgesamt 113 Einsatztage verloren.
Mit der Aurora 2 setzt Sea-Watch dieser Strategie gezielt etwas entgegen. Wird eines der Schiffe festgesetzt, kann stattdessen das andere weiterhin auslaufen und Menschen in Seenot retten. Die Organisation macht sich damit unabhängig von behördlichen Blockaden und stellt die Fortführung ihrer Rettungseinsätzen sicher.
Die Festsetzungen von zivilen Seenotrettungsschiffen sind politisch motiviert und kosten Menschenleben. Das Mittelmeer ist eine der tödlichsten Grenzen der Welt. Mehr als 34.000 Menschen wurden seit 2014 als tot oder vermisst gemeldet. Die Dunkelziffer wird deutlich höher geschätzt. Mit dem neuen Schiff, der Aurora 2, kann Sea-Watch weiterhin Menschen schnell vor dem Ertrinken retten – auch wenn eines der Schiffe durch die ultra-rechte italienische Regierung blockiert wird.
Sea-Watch ist Teil der Justice Fleet, einem Bündnis ziviler Seenotrettungsorganisationen, das sich für die Einhaltung der Menschenrechte und des internationalen Seerechts einsetzt. Die Mitglieder verweigern die Befolgung von Vorgaben im Rahmen des sogenannten Piantedosi-Dekrets, die im Widerspruch zu internationalem Recht und menschenrechtlichen Verpflichtungen stehen. Infolgedessen werden ihre Schiffe regelmäßig von den italienischen Behörden festgesetzt. In den vergangenen Monaten haben italienische Gerichte die Festsetzung mehrerer Schiffe der Justice Fleet bereits in Eilverfahren aufgehoben. Entscheidungen über die grundsätzliche Rechtmäßigkeit des Dekrets stehen noch aus.











