Am Sonntag, dem 7. Juni 2026, kamen bei einem Schiffsunglück im zentralen Mittelmeer, etwa 45 Seemeilen vor Malta innerhalb des maltesischen Such- und Rettungsgebiets, mindestens elf Menschen ums Leben. Berichten zufolge befanden sich rund 60 Menschen in Not. Als das Sea-Watch Beobachtungsflugzeug „Seabird 1“ am Ort des Geschehens eintraf, waren keine Überreste des Bootes mehr zu sehen. Überlebende befanden sich bereits an Bord des türkischen Fischerboots TUNCAY SAGUN-2. Sea-Watch betrachtet die unterlassene Hilfe seitens der EU und ihrer Mitgliedstaaten als einen möglichen Fall von fahrlässiger Tötung und fordert eine unabhängige Untersuchung.
Die Besatzung des Beobachtungsflugzeug Seabird 1 traf um 16:45 Uhr UTC am Unfallort ein. An dem Einsatz waren maltesische, italienische, Frontex- und EU-Einheiten beteiligt, unter anderem auch im Rahmen der Operation IRINI, sowie ein türkisches Fischerboot. Öffentlich zugängliche Daten deuten darauf hin, dass wahrscheinlich ein maltesisches Luftfahrzeug gegen 10:30 Uhr UTC vor Ort war. Dies deckt sich mit öffentlichen Aussagen der italienischen Küstenwache, die bestätigen, dass unterschiedliche Behörden bereits zuvor Kenntnis von dem Fall mit etwa 60 Personen hatten.
Die erste erfolgreiche Rettungsaktion wurde von der Besatzung des Fischers TUNCAY SAGUN-2 durchgeführt. Die Crew rettete etwa 48 Menschen lebend. Maltesische und italienische Rettungskräfte trafen später ein und suchten nach weiteren Überlebenden, obwohl sie bereits zuvor von den Menschen in Not gewusst hatten. Bei der Ankunft der Seabird 1 befanden sich mehrere Leichen an Bord des Schiffes der italienischen Küstenwache (siehe Bild).
Die Besatzung der Seabird 1 beobachtete anschließend die Verlegung der Überlebenden auf maltesische Schiffe sowie die medizinische Evakuierung von mindestens einer Person durch einen maltesischen Hubschrauber. Berichten zufolge sind 53 Menschen in Malta an Land gegangen, sowie 11 Leichen. Die Anzahl von Vermissten ist unbekannt.
Paul Wagner, Sprecher der Organisation Sea-Watch:
„Die europäischen Behörden waren höchstwahrscheinlich bereits vor Ort. Der zeitliche Ablauf wirft ernsthafte Fragen darüber auf, ob alle verfügbaren Maßnahmen rechtzeitig ergriffen wurden, um den Verlust von Menschenleben zu verhindern“, sagte Paul Wagner, Sprecher von Sea-Watch. „Wir betrachten dies als einen möglichen Fall fahrlässiger Tötung und fordern, dass das Verhalten der maltesischen, italienischen und EU-Behörden unabhängig untersucht wird.“
Malta ist für die Koordinierung von Rettungsmaßnahmen in seinem Such- und Rettungsgebiet zuständig. Sea-Watch hat wiederholt Fälle dokumentiert, in denen Menschen in Not im maltesischen Such- und Rettungsgebiet keine Hilfe erhielten oder illegal von nicht gekennzeichneten Schiffen versorgt und nach Italien geleitet wurden, anstatt gerettet zu werden.
Die EU hat in den letzten Jahren staatliche Rettungskräfte aus dem zentralen Mittelmeer abgezogen. Stattdessen fokussieren sich europäische Behörden zunehmend ausschließlich auf Luftüberwachung, die Unterstützung von Milizen in Libyen und die Behinderung ziviler Rettungsorganisationen. Darüber hinaus nimmt die Kriminalisierung ziviler Rettungsorganisationen, die Menschen in Not retten, ebenso zu wie die Kriminalisierung von Menschen auf der Flucht selbst.
Auch im Fall vom 7. Juni 2026 übernahm wieder einmal ein kommerzielles Fischerboot die Verantwortung und rettete Menschenleben, während die zuständigen staatlichen Rettungsschiffe nicht rechtzeitig vor Ort waren.
Korrekturhinweis: In der ursprünglichen Pressemitteilung vom 08.06.2026 haben wir von einem tunesischen Fischerboot gesprochen, das Boot TUNCAY SAGUN-2 fährt jedoch unter türkischer Flagge. Wir haben den Fehler korrigiert und entschuldigen uns dafür.











