Nach der Rettung von 6 Personen in internationalen Gewässern, blockieren italienische Behörden das zivile Rettungsschiff Sea-Watch 5 für 45 Tage auf Grundlage des sogenannten Piantedosi-Gesetzes. Zusätzlich wird der Organisation eine Strafe in Höhe von 7.500 € auferlegt. Die Crew war nach der Rettung von Bewaffneten auf einem zweiten Boot bedroht worden. Auf der viertägigen Überfahrt nach Neapel musste sie zudem acht Leichen dokumentieren – ein Vorfall, der sich in die drastisch steigenden Todeszahlen im zentralen Mittelmeer einreiht. Obwohl Funkkontakt mit der sogenannten libyschen Küstenwache bestand, werfen die italienischen Behörden Sea-Watch vor, libysche Behörden nicht über den Rettungseinsatz informiert zu haben.
Giulia Messmer, Sprecherin der Organization Sea-Watch, kommentiert:
Während Menschen auf der Suche nach Sicherheit ertrinken, kriminalisiert Italien Rettungsschiffe für ihre Arbeit. Das ist keine Migrationspolitik – das ist aktive Behinderung von Nothilfe.
Am Donnerstag, den 13. August, sichtete die Sea-Watch 5 Crew 6 Personen in lebensgefährlicher Situation im Wasser. Sie waren kurz zuvor von einem Boot mit unbekannten Akteuren über Bord gezwungen worden. Nachdem die sofort eingeleiteten Rettungsmaßnahmen beendet waren und sich alle 6 Personen in Sicherheit an Bord der Sea-Watch 5 befanden, näherte sich ein weiteres, nicht identifizierbares libysches Schiff der Sea-Watch 5 von Backbord. Die Personen an Bord bedrohten die Rettungscrew mit einer Schusswaffe.
Nach dem akuten Vorfall, verfolgte das unidentifizierte libysche Schiff die Sea-Watch 5 für einige Zeit. Kurz vor 22 Uhr wurden alle zuständigen Behörden über die Rettung informiert, sowie der maritime Sicherheitsvorfall an das MRCC Bremen und das Auswärtige Amt gemeldet. Zudem kommunizierte die sogenannte libysche Küstenwache per Funk mit der Sea-Watch 5 über die durchgeführte Rettung und erhielt alle relevanten Informationen.
Auf der viertägigen Überfahrt nach Neapel musste die Schiffsbesatzung Dokumentationsmaßnahmen an 8 gefundenen Leichen durchführen. Zuvor hatte das zivile Beobachtungsflugzeug Albatross UNO, der Organisation SOS Méditerranée 11 Körper gesichtet. 3 weitere Leichen wurden am 15. August durch Sea-Watchs Aufklärungsflugzeug Seabird 1 gefunden, sowie 6 weitere Körper durch SOS Méditerranée am 17. August. Am 18. August gingen alle Überlebenden in Neapel von Bord.
Im Jahr 2026 starben mehr als 1.600 Menschen auf ihrer Flucht über das Mittelmeer oder werden noch vermisst. Allein seit dem 4. August wurden mehr als 55 Leichen gefunden. Die neo-faschistische italienische Regierung setzte seit Beginn 2023 Rettungsschiffe 44 Mal für insgesamt über 960 Tage fest. Die Sea-Watch 5 Blockade ist die achte im Jahr 2026, bisher wurden zivile Schiffe für mehr als 180 Tage von ihrer Arbeit abgehalten.











