In den frühen Morgenstunden des 29. September 2026 hat die Crew des Sea-Watch-Rettungsschiffs Aurora in internationalen Gewässern 28 Menschen nach einem Schiffbruch gerettet. Außerdem barg die Crew zwei Tote, darunter ein Kind. Fünf Überlebende befanden sich auf einem fast luftleeren Schlauchboot, 23 weitere hatten die Gasplattform Hasdrubal in internationalen Gewässern erreicht. Mindestens sechs Menschen werden vermisst, darunter drei Kinder einer Familie. Die Aurora Besatzung brachte alle Geretteten und die zwei Leichen am selben Tag auf der italienischen Insel Lampedusa an Land. Die italienische Senotrettungsleitstelle wurde bereits 12 Stunden vor der Rettung der Schiffbrüchigen durch die Notfall-Hotline Alarm Phone über den Seenotfall informiert. Zudem hat Sea-Watch nun starke Hinweise darauf, dass die europäische Grenzagentur Frontex bereits am Abend des 28. September mit ihrem Flugzeug Eagle6 über den Seenotfall flog. Sollte sich diese Information bestätigen, wäre dies aktiv unterlassene Hilfeleistung.
Eine Rekonstruktion der Ereignisse
Anmerkung: Alle Zeitangaben sind in UTC
28. SEPTEMBER 2026
14:42 UTC Die Notruf-Hotline Alarm Phone alarmiert die italienische, maltesische und libysche Seenotrettungsleitstelle über ein Boot in Seenot mit etwa 40 Personen in dem geteilten libyschen und tunesischen Such- und Rettungsgebiet. Positionsdaten 33° 34’ N 011° 45’ E. Sie teilt dabei mit: „Wasser dringt in das Boot ein, und es besteht Sinkgefahr“.
17:58 UTC Die italienische Seenotrettungsleitstelle in Rom veröffentlicht einen INMARSAT-SAR-Fall 1771 im Auftrag der “Libyan Navy Coast Guard” mit den Positionsdaten eines Seenotfalls von 16:03 UTC. Aus welcher Quelle die Positionsdaten stammen ist bisher unklar. Aufgrund verschiedener Anhaltspunkte, darunter die angenommene Geschwindigkeit des Boots, vermutet Sea-Watch, dass es sich um dasselbe Boot in Seenot handelt. 18:50 UTC Das Frontex Flugzeug „Eagle6“ kreist in der Gegend der Positionsdaten des von Alarm Phone gemeldeten Seenotfalls, unweit der von Italien veröffentlichten Position des INMARSAT-Falls 1771.
22:44 UTC Die Notfall-Hotline Alarm Phone sendet eine weitere E-Mail an staatliche Behörden mit aktualisierten Positionsdaten 34° 06’ N 001° 39’ E. Um 23:00 UTC korrigiert Alarm Phone die Positionsdaten : 34° 06’ N 011° 39’ E.
23:07 UTC Das Sea-Watch Rettungsschiff Aurora informiert die italienischen, maltesischen, libyschen, tunesischen und deutschen Behörden, dass das die Sea-Watch Rettungscrew nach den von Alarm Phone gemeldeten Personen in Seenot sucht und nimmt Kurs auf deren Position.
29. SEPTEMBER 2026
02:11 UTC Das Sea-Watch Rettungsschiff Aurora sichtet das nun mehr schiffbrüchige Boot mit 5 Personen an Bord und 2 Leichen, darunter die eines Kindes.
02:43 UTC Aurora informiert die italienischen, maltesischen, libyschen, tunesischen und deutschen Behörden über den Schiffbruch und Rettung. Laut Aussagen der Überlebenden befinden sich weitere Personen auf der Gasplattform Hasdrubal. Die Crew der Aurora nimmt Kurs auf die Position der Platform.
03:42 UTC Beide Leichen werden von der Aurora Crew geborgen.
04:20 UTC Aurora erreicht die unbemannte Hasdrubal Plattform.
04:34 UTC Aurora erhält die Erlaubnis der tunesischen Seenotrettungsleitstelle für die Rettung der 23 Menschen auf der Gasplatform Hasdrubal. Die Geretteten berichten über das Ertrinken von 6 weiteren Personen, darunter 3 minderjährige Kinder.
04:41 UTC Aurora informiert die italienischen, maltesischen, libyschen und deutschen Behörden über ihre Suche nach den Überlebenden auf der Hasdrubal Plattform und die tunesische Erlaubnis zur Rettung.
05:50 UTC aktualisiert das MRCC Rom die Position des INMARSAT SAR-Fall 1771, behält die Beschreibung des Falls als Schlauchboot mit mehr als 15 Personen bei, gibt jedoch als Positionsdaten den Standort aus der Alarm Phone E-Mail vom Vorabend 23:00 UTC an. Das MRCC Rome gibt dabei an, dass der Standort auf die Uhrzeit 22:04 Uhr zurück geht.
05:55 UTC Aurora beendet die Rettung aller 23 Überlebenden auf der Hasdrubal Plattform.
06:47 UTC Alle relevanten Behörden werden über die beendete Rettung informiert und ein sicherer Hafen wird angefragt.
09:31 UTC Die italienische Seenotrettungsleitstelle weist der Aurora Crew den Hafen Lampedusa für die Anlandung aller Überlebenden und beider Leichen zu.
16:20 UTC Anlandung aller 28 Personen und beider Leichen auf Lampedusa.
30. SEPTEMBER 2026
Sea-Watch stellt einen Antrag auf Dokumentenzugang bei Frontex und beantragt die Herausgabe aller Unterlagen zu diesem Fall.











