Berlin, 06.05.2026 – Am 6. und 7. Mai findet in Berlin der Europäische Polizeikongress statt. Am heutigen Morgen organisierte Sea-Watch eine Protestaktion. Diese richtete sich gezielt gegen die europäische Grenzagentur Frontex, die am Kongress teilnimmt: Unter dem Slogan „34.850 Tote im Mittelmeer – Arrest Frontex“ legten die Aktivist*innen Rettungswesten aus, um allen Menschen zu gedenken, die auf der Flucht über das Mittelmeer gestorben sind oder als vermisst gelten. Angesichts anhaltender Vorwürfe schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen und der Beteiligung an Verbrechen gegen die Menschlichkeit fordert Sea-Watch, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und die EU Grenzbehörde abzuschaffen.
Frontex steht in der Kritik, an zahlreichen Menschenrechtsverletzungen beteiligt zu sein oder diese operativ zu ermöglichen. Darunter zählen Pushbacks, völkerrechtlich illegale und häufig gewaltsame Zurückweisungen von Menschen auf der Flucht. Zudem wird Frontex vorgeworfen, illegalle Verschleppungen Geflüchteter nach Libyen durch die sogenannte libysche Küstenwache zu organisieren. Nach Einschätzungen der UN sind Menschen auf der Flucht in Libyen systematisch Folter, sexualisierter Gewalt und Sklaverei ausgesetzt.
Gegen den ehemaligen Frontex-Direktor Fabrice Leggeri laufen derzeit Ermittlungen wegen des Verdachts der Beteiligung an Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Folter. Auf dem Europäischen Polizeikongress wird Frontex trotz Menschenrechtsverletzungen hofiert. Mit einer Protestaktion gedenkt Sea-Watch den Verstorbenen auf dem Mittelmeer und fordert, die Verantwortlichen stattdessen zur Rechenschaft zu ziehen.
Sea-Watch-Sprecherin Giulia Messmer: „Als europäisches ICE-Pendant organisiert Frontex illegale Push- und Pullbacks, Menschenrechtsverletzungen und Deportationen. Statt über eine Milliarde pro Jahr in Frontex zu investieren, muss die EU Menschenrechte schützen und ein staatliches, ziviles Seenotrettungsprogramm aufbauen.”
Ähnlich wie die US-Behörde ICE setzt Frontex als die zentrale europäische Grenzbehörde die europäische Abschottungs- und Grenzpolitik um. Das jährliche Budget von Frontex wurde in den vergangenen Jahren mehr als verhundertfacht – auf 1,124 Milliarden Euro im Jahr 2025. Statt dieses Geld für die Rettung von Menschenleben auszugeben, werden damit die Aufrüstung der EU-Außengrenzen mit Stacheldraht, Drohnen und KI-Überwachung finanziert.
Seit 2014 sind über 34.850 Menschen auf der Flucht über das Mittelmeer gestorben. 2026 ist bereits jetzt das tödlichste Jahr seit einem Jahrzehnt, über 1.100 Menschen sind gestorben oder gelten als vermisst. Die Dunkelziffer wird deutlich höher geschätzt.











