Nach der Rettung von 44 gestrandeten Personen von der verlassenen Ölplattform Didon in internationalen Gewässern im Mittelmeer, setzen italienische Behörden das Rettungsschiff Aurora der zivilgesellschaftlichen Organisation Sea-Watch fest. Zusätzlich wird der Organisation eine Strafe zwischen 2.000 und 10.000€ auferlegt. Die genaue Länge der Festsetzung und Summe der Strafe wird ihr in den kommenden Tagen mitgeteilt. Die Überlebenden harrten nach eigenen Angaben seit Montag auf der Plattform aus. Nach dem Osterwochenende gelten aufgrund eines Schiffbruchs im zentralen Mittelmeer 71 Menschen als vermisst. Zuvor waren innerhalb von wenigen Tagen mindestens 104 Menschen auf ihrer Flucht über das Meer gestorben. Die italienische Küstenwache hatte am 1. April 19 Leichen geborgen.
Nachdem die Initiative Watch the Med Alarm Phone europäische Behörden bereits am 1. April über die gestrandeten Personen informiert hatte, segelte die Crew des Rettungsschiffs Aurora am 3. April in Richtung Ölplattform. Sie nahmen alle Überlebenden an Bord und brachten sie am Morgen des 4. April sicher auf die italienische Insel Lampedusa. Die italienischen Behörden setzen das Rettungsschiff nun auf Grundlage des sogenannten Piantedosi Dekrets fest. Sie führen aus, die Organisation hätte die libyschen Behörden nicht über ihren Rettungseinsatz informiert. Vor etwas mehr als einer Woche haben die italienischen Behörden auch das zweite Rettungsschiff von Sea-Watch, die Sea-Watch 5, festgesetzt.
Giulia Messmer, Sprecherin der Organization Sea-Watch, kommentiert:
“Während im Mittelmeer hunderte Menschen ertrinken, blockiert Italien die Schiffe, die sie retten könnten. 44 Menschen saßen fünf Tage lang auf einer Ölplattform fest, und kein europäischer Staat kam ihnen zu Hilfe. Und die deutsche Bundesregierung schaut dabei nicht nur zu, sondern macht diese Politik durch ihr Schweigen erst möglich. Wer Rettung kriminalisiert, entscheidet sich bewusst gegen Menschenleben.“
Mehr als 70 extreme Gewalttaten durch libysche Akteure – darunter der Beschuss von Rettungsschiffen und Menschen auf der Flucht – wurden in den letzten 10 Jahren im Mittelmeer dokumentiert, der Großteil davon durch die sogenannte libysche Küstenwache. Allein 2025 wurden mehr als 20 solcher Vorfälle registriert.
Am 5. November 2025 schlossen sich daraufhin 13 Seenotrettungsorganisationen zur Allianz Justice Fleet zusammen und stellten ihre operative Kommunikation mit libyschen Behörden ein. Bereits in zwei Fällen, wurde ihnen vor italienischen Gerichten Recht gegeben. In den vergangenen Jahren, betonten italienische Gerichte wiederholt die lebensrettende Rolle ziviler Seenotrettung und stellten klar, dass die sogenannte libysche Küstenwache sowie die libysche Seenotrettungsleitstelle keine legitimen Rettungsakteure sind und die Befolgung ihrer Anweisungen gegen das Völkerrecht verstößt.











