Nach der Rettung von 93 Menschen in Seenot in internationalen Gewässern am 15. März sowie der medizinischen Evakuierung von neun Überlebenden nach Italien — darunter ein zweijähriges Kind in lebensbedrohlichem Zustand — sucht das Rettungsschiff Sea-Watch 5 derzeit mit 84 Überlebenden an Bord Schutz vor der Küste Siziliens. Schwere Wetterbedingungen in der Straße von Sizilien, darunter Wellen von bis zu drei Metern, machen es für das Schiff unsicher, die Fahrt zum zugewiesenen Hafen Marina di Carrara in Norditalien fortzusetzen. Der zugewiesene Hafen liegt mehr als 1.100 Kilometer vom Rettungsort entfernt und würde eine mehrtägige Fahrt erfordern. Kurz nach 13:00 Uhr heute entschied das Jugendgericht in Palermo, Sizilien, dass alle 23 Minderjährigen und ihre Familien im nächstmöglichen italienischen Hafen ausgeschifft werden müssen. Trotz der sich verschlechternden Bedingungen, der besonderen Schutzbedürftigkeit der Menschen an Bord und der gerichtlichen Entscheidung halten die italienischen Behörden weiterhin an der Zuweisung des weit entfernten Hafens fest und haben keinen näher gelegenen sicheren Hafen benannt.
Die verbleibenden 84 Überlebenden an Bord des Rettungsschiffs leiden nach ihrer gefährlichen Überfahrt über das Mittelmeer und zwei Tagen an Bord des zivilen Rettungsschiffs unter schweren Treibstoffverbrennungen, Erschöpfung und Seekrankheit. Sea-Watch fordert die italienische Regierung auf, internationales Recht einzuhalten und dem Schiff den nächstgelegenen sicheren Hafen zuzuweisen, um alle Überlebenden auszuschiffen. Die fortgesetzte Anweisung, unter diesen Umständen einen weit entfernten Hafen im Norden anzulaufen, verlängert das Leiden unnötig und setzt die Menschen zusätzlicher Gefahr aus. Die deutsche Bundesregierung muss sich dringend für das unter deutscher Flagge fahrende Rettungsschiff und den Schutz aller Menschen an Bord einsetzen.
Chiara Milanese, Einsatzleiterin der Sea-Watch 5, kommentiert:
„Die italienischen Behörden behindern unsere Rettung gezielt. Sie sind sich des medizinischen Zustands der Menschen an Bord und der Wetterbedingungen, denen wir ausgesetzt sind, vollkommen bewusst – und zwingen uns dennoch, auf See zu bleiben. Giorgia Meloni’s Regierung gefährdet aktiv das Leben aller geretteten Menschen auf unserem Schiff.“
Der Jahresbeginn 2026 ist der tödlichste seit mehr als einem Jahrzehnt. Bisher wurden mehr als 680 Menschen als tot oder vermisst gemeldet. Die Dunkelziffer wird deutlich höher geschätzt. Die rapide Verschlechterung der Wetterbedingungen der letzten Tage gefährdet aktuell das Leben von Menschen an Bord mehrerer Boote, die die Organisation Alarm Phone gemeldet hat. Erst vor wenigen Tagen ist ein Kind auf dem Meer verschwunden und ein 21-jähriger Mann konnte nur tot geborgen werden.











