Sea-Watch im Ägäischen Meer

Im Herbst 2015 startete Sea-Watch die Seenotoperation mit Schnellbooten vor der Küste von Lesbos/Griechenland. In nur fünf Monaten konnten bis zu 4000 Menschen aus Seenot gerettet werden. Seit dem EU-Türkei-Deal im März 2016 gingen die Flüchtlingszahlen massiv zurück, sodass wir unser Engagement auf eine Beobachtung der Lage verlegten und unsere Rettungsboote in Stand-by versetzten. Dieser Modus erlaubt unseren Teams, bei Änderungen der politischen Rahmenbedingungen sofort in den aktiven Einsatz überzugehen.

 

#MenschenrechteKeineKompromisse

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Über unser Netzwerk mit Aktivisten*innen und dem intensiven Austausch mit NGO´s auf den griechischen Inseln erreichen uns immer wieder erschütternde Nachrichten, insbesondere aus den Flüchtlingslagern auf Lesbos und Chios und von gefährlichen Manövern auf dem Meer, in die neben Frontex auch die griechische und türkische Küstenwache involviert sind. Flüchtende berichten von Versuchen Boote zum Kentern zu bringen, um die Menschen auf der Flucht einzuschüchtern. Mittlerweile ist die Küste der Europäischen Union militarisiert wie nie zuvor. Kriegsschiffe der NATO und Frontex-Einheiten patrouillieren neben der griechischen und türkischen Küstenwache. Auf den Inseln sind Polizei, Militär und Europol im Einsatz, deren Anzahl in den vergangenen Monaten massiv verstärkt wurde, was die Brisanz der Lage verdeutlicht. Des Weiteren wird die Arbeit der NGOs auf dem Wasser seit Oktober 2016 durch griechische Behörden reglementiert und erschwert. Aus diesem Grund hat sich Sea-Watch dazu entschlossen, die Aktivitäten im Sommer 2017 durch eine „Monitoring-Mission-Ägäis“ vor Ort wiederaufzunehmen, um die heftigen Auswirkungen des 2016 geschlossenen Deals zwischen der Türkei und der EU auf und gegen Menschenrechte zu beleuchten und zu dokumentieren. Mit Hilfe unserer Partner vor Ort ist es unser Ziel, die Situation für Geflüchtete an Land und auf dem Meer zu verbessern. Die gefährliche Fluchtroute von der Türkei nach Griechenland wird trotz des Deals genutzt, und die Umsetzung des „EU-Türkei-deals“ bedarf einer kritischen Begleitung der Öffentlichkeit, insbesondere, weil regelmäßig Menschen bei ihrem Versuch, Griechenland zu erreichen, ertrinken.

Die Rettung auf See wird in der Ägäis vor allem durch die europäische Grenzschutzagentur Frontex und die griechische Küstenwache veranlasst. Deren erfolgreiche Arbeit interessiert uns gleichermaßen wie Fälle, die Optimierungspotenzial beinhalten. Denn nur eine aktive und präsente Zivilgesellschaft stellt sicher, dass humanitäre Standards eingehalten und Missstände aufgedeckt werden. Zudem möchten wir einen Dialog mit den staatlichen Rettern auf Augenhöhe führen, um Verbesserungen in der Rettung anzustoßen, um nach Möglichkeiten zu suchen, die größtenteils menschenunwürdigen Bedingungen in den Lagern der Geflüchteten auf den Inseln zu verbessern. Wir wollen den medialen Blickwinkel wieder auf die Route Griechenland-Türkei richten. Denn mit dem EU-Türkei-Deal ist es nicht besser oder sicherer für geflüchtete Menschen geworden. Die Lager und Hotspots sind aufgrund ihrer katastrophalen Versorgungslage und menschenunwürdiger Lebensbedingungen immer wieder im Fokus der Kritik, erreichen aber nicht die benötigte Aufmerksamkeit und ein entsprechendes Handeln der EU, die diese miserable humanitäre Situation für Geflüchtete in der Ägäis erfordert. Die „Monitoring-Mission-Ägäis“ soll neben dem Blick auf das Handeln beteiligter Instanzen und die unsichtbare Mauer der EU auch dafür sorgen, die Projekte und Initiativen von Freiwilligen und NGO´s zu unterstützen, die sich unermüdlich für die Menschlichkeit engagieren.