Sea-Watch im Ägäischen Meer

Seit Herbst 2015 ist Sea-Watch mit Schnellbooten in der griechischen Ägäis im Einsatz und konnte dort bereits hunderte Menschen sicher an Land bringen und sie so vor dem Ertrinken bewahren.

Von Lesbos aus wurde, in Kooperation mit der Hilfsorganisation CADUS, in einem Schichtsystem auf Schnellbooten gearbeitet. Gesichtete Flüchtlingsboote wurden – sofern in gutem Zustand – sicher an Land begleitet. In vielen Fällen mussten jedoch Flüchtende an Bord genommen werden, um die überfüllten Schlauchboote zu entlasten. Im Falle eines Mann-über-Bord-Einsatzes wurden die Menschen aus dem Wasser gezogen und medizinisch versorgt. Seit dem EU-Türkei-Deal im März 2016 gingen die Flüchtlingszahlen massiv zurück.

Wir sind derzeit im Standby-Modus und werden bei Änderung der politischen Rahmenbedingungen mit unseren Teams sofort in den aktiven Einsatz gehen.

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Hier eine Schilderung zur aktuellen Situation vor Ort von einem unserer Mitarbeiter:

Es ist stockdunkel, wir hören das Rattern eines Bootsmotors, das langsam lauter wird. Erst kurz bevor es wenige Meter an uns vorbeifährt, sehen wir das überfüllte schwarze Schlauchboot. Wir geben Position und Kurs des Bootes über Funk den HelferInnen an Land durch, die das Boot wenige Minuten später in Empfang nehmen werden.

Mit geringer Geschwindigkeit und Suchscheinwerfer am Bug unseres Einsatzbootes machen wir uns auf den Rückweg nach Mithimna, Lesbos. Wir kommen von einem Treffen mit anderen Gruppen, die hier versuchen die Überfahrt von der Türkei für Flüchtende sicher und erträglich zu gestalten. Es sind vor allem Ehrenamtliche aus ganz Europa und darüber hinaus, die hier die Nothilfe organisieren.

Die spanischen Rettungsschwimmer von ProActiva, die hier seit einigen Wochen einen super Job machen, die Helfer*innen aus Norwegen von A drop In The Ocean, die Tag für Tag den Menschen aus den Booten helfen oder die Leute von Starfish, die einen Anlaufpunkt betreiben, an dem Flüchtende trockene Kleider und Essen bekommen, ihre Telefone laden können und ein paar Stunden schlafen können, bevor es in Bussen weitergeht.

Wir nutzen die Fahrt, um zu trainieren und die Einsatzbedingungen hier vor Lesbos kennen zu lernen. Wir wissen jetzt, dass wir dringend noch eine Wärmebildkamera brauchen, um bei Nacht arbeiten zu können. Jetzt ist das Boot wieder aus dem Wasser, es wird noch AIS eingebaut und auch die Beschriftung fehlt noch. Wir nutzen den Tag, zum Beispiel um eine SIM-Karte für unser Alarmtelephon zu kaufen, über das wir mit Watch The Med, mit denen wir schon vor Libyen super zusammengearbeitet haben, und den anderen Rettern kommunizieren werden.

Spätestens Montag früh wollen wir aber wieder im Wasser sein und unseren Einsatz endgültig starten, denn nach wie vor kommen täglich Boote und trotz des anhaltend guten Wetters gab es auch letzte Woche wieder Tote zwischen der Türkei und Lesbos.

„Das hier ist eine Humanitäre Krise, wir sind froh, dass Ihr da seid“, sagte auch der Leiter der Küstenwache auf der Insel. Wir sind mittlerweile mit einer Crew von 6 Personen vor Ort, darunter professionelle Seenotretter, Rettungsassistenten und natürlich eine erfahrene nautische Crew.