Zivile Luftaufklärungsmission an Europas tödlicher Seegrenze

Sea-Watch und Humanitarian Pilots Initiative verhindern Bootskatastrophen

Mehr als 100 Flüchtende auf einem sinkenden Schlauchboot konnten am Ostersonntag in letzter Minute gerettet werden, nachdem sie weitab jeglicher Rettungsschiffe von einem Aufklärungsflugzeug entdeckt wurden. Mindestens sieben Menschen waren zu diesem Zeitpunkt bereits ertrunken. Das war die Bilanz des ersten Einsatzes der am Osterwochenende gestarteten Luftaufklärungsmission von Sea-Watch und der Humanitarian Pilots Initiative (HPI). Dank großzügiger Unterstützung durch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wird das Kleinflugzeug mit dem Rufzeichen “Moonbird” den ganzen Sommer über im Einsatz sein.

Die von Sea-Watch und der HPI initiierte Luftaufklärungsmission schließt eine Lücke in der zivilen Seenotrettung: Zunächst bei der Koordination von Rettungseinsätzen, oder um Bootskatastrophen zu verhindern, wie am Ostersonntag geschehen. Aber auch um durch die Dokumentation unterlassener Hilfeleistung Druck auf die EU auszuüben, die auf dem Mittelmeer Menschen ertrinken lässt. Unsere Mission und nachstehendes Mission statement wird daher neben anderen NGOs der zivilen Seenotrettung auch von namhaften politischen und humanitären Organisationen wie Pro Asyl oder Medico international unterstützt. Wir sind uns sicher, dass wir hier ein Werkzeug für Veränderung an den Start gebracht haben, humanitär und politisch.

Der Moonbird, nach dem das Flugzeug benannt ist, ist ein Zugvogel, der jedes Jahr über dem Meer die Strecke von der Erde bis zum Mond zurücklegt und dabei zahlreiche Grenzen überwindet. Migration hat es immer schon gegeben und es hat in der Geschichte den unterschiedlichsten Umgang mit diesem Phänomen gegeben. Abschottung hat dabei eigentlich nie wirklich funktioniert, genau dafür hat sich die EU jedoch entschieden und ist dafür offensichtlich bereit, elementarste Grundrechte zu ignorieren. Es ist völlig inakzeptabel, dass an der Wohlstandsgrenze zwischen Europa und Afrika jährlich tausende Menschen ertrinken. Mit unserem Aufklärungsflugzeug werden wir alles uns mögliche tun, um diesen Zustand zu beenden

#MenschenrechteKeineKompromisse

Wir dürfen keine rechtsfreien Räume zulassen, in denen die Europäische Union Flüchtende zu Tausenden ertrinken lässt oder in denen völkerrechtswidrige Rückschiebungen stattfinden, deshalb unterstützen wir eine zivile Luftaufklärungsmission über dem zentralen Mittelmeer: Ein Kleinflugzeug, betrieben von Sea-Watch und der Humanitarian Pilots Initiative, mit dem Ziel, den gemeinsamen Kampf zivilgesellschaftlicher Initiativen gegen das Sterben an der tödlichsten Grenze der Welt voranzutreiben.

Mit Aufklärungsflügen über dem zentralen Mittelmeer sollen Boote in Seenot früher entdeckt, die Kooperation zwischen zivilen Rettungsorganisationen verbessert und Menschenrechtsverletzungen wie etwa Rückschiebungen aus internationalen Gewässern dokumentiert werden. Nicht zuletzt fungiert die Luftaufklärungsmission auch als Druckmittel gegenüber der Europäischen Union, mehr Rettungsressourcen zur Verfügung zu stellen.

Die unterzeichnenden Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen sind sich einig: Der Massenhafte Tod auf dem Mittelmeer – über 5000 Tote allein im letzten Jahr – ist politisch gewollt. Die Toten sind das Produkt der Abschottungspolitik seitens der EU, welche Flüchtende zwingt sich Schmugglern anzuvertrauen und die gefährliche Passage zu wagen, anstatt sicher ein Flugzeug oder eine Fähre nach Europa zu nutzen. Wir fordern daher „Sichere Wege, Sofort!“

Schon morgen könnte das Sterben beendet sein, doch die Verantwortlichen in der EU und den Mitgliedstaaten weigern sich und nutzen das Mittelmeer gerne weiter als tödlichen Festungsgraben. Anstatt etwas gegen die andauernde humanitäre Katastrophe oder die Ursachen von Flucht zu unternehmen schottet sich die EU weiter ab, dafür scheint kein Militäreinsatz zu teuer, man schreckt noch nicht einmal vor Kooperationen mit diktatorischen Regimen zurück.

Das Sterben geht unvermindert weiter, Verstöße gegen das nicht Rückschiebeprinzip durch die von der EU unterstütze sogenannte Libysche Küstenwache sind an der Tagesordnung. Deshalb bleibt zivilgesellschaftliche Seenotrettung und insbesondere die Monitoring Funktion die von den zivilen Rettungsorganisationen – nun auch aus der Luft – ausgeübt wird, unabdingbar. Gegen die „Normalisierung“ von Tod und Leid. Für ein Europa des Willkommens.