Sea-Watch rettet 227 Menschen innerhalb von 48 Stunden im Mittelmeer

13 Okt 2026

Julia Winkler

13. Oktober 2026. Die Crews der Sea-Watch-Schiffe Sea-Watch 5 und Aurora 2 haben innerhalb von 48 Stunden insgesamt 227 Menschen aus fünf Booten in Seenot in internationalen Gewässern im zentralen Mittelmeer gerettet. Die Rettungseinsätze fanden zwischen Sonntagnachmittag, dem 11. Oktober, und Montagabend, dem 12. Oktober, statt. Während der Rettungseinsätze wurden beide Sea-Watch-Schiffe von nicht identifizierten Booten bedrängt. In einem Fall drohte ein Akteur, der sich als libysche Marine ausgab, der Sea-Watch 5 mit strafrechtlicher Verfolgung in Tripolis. Die italienischen Behörden haben der Sea-Watch 5 den weit entfernten Hafen Civitavecchia zugewiesen, der etwa drei Tage Fahrt entfernt liegt.

Julia Winkler, Sprecherin von Sea-Watch: 

„Wir sind unglaublich froh, dass 227 Menschen die gefährliche Überfahrt überlebt haben. Die Rettung von 227 Menschen innerhalb von nur 48 Stunden zeigt, wie dringend Rettungsschiffe im Mittelmeer gebraucht werden. Trotzdem schicken die italienischen Behörden unser Schiff in einen rund 900 Kilometer entfernten Hafen und setzen damit Entfernung gezielt als Waffe gegen zivile Seenotrettung ein. Dringend benötigte Rettungskapazitäten bewusst einzuschränken, ist eine politische Entscheidung mit tödlichen Konsequenzen.“

Am Sonntag rettete die Crew zunächst 28 Menschen aus einem sinkenden Boot, nachdem ein Flugzeug der Organisation SOS MEDITERRANEE den Seenotfall gemeldet hatte. Nach einem weiteren Notruf über die Hotline Alarm Phone rettete sie 51 weitere Menschen. Vor der zweiten Rettung umkreiste ein nicht identifiziertes Boot wiederholt die Sea-Watch 5.

Am Montagmorgen wurde die Sea-Watch 5 über ein weiteres Boot in Seenot in einem Gebiet mit beschränktem Zugang nahe einer Offshore-Ölplattform informiert. Nachdem ein zur Plattform gehörendes Versorgungsschiff der Sea-Watch 5 die Einfahrt genehmigt hatte, um die Menschen in Seenot zu retten, forderte ein Akteur, der sich über Funk als libysche Marine ausgab, die Crew auf, das Gebiet zu verlassen. Für den Fall, dass die Crew der Aufforderung nicht nachkomme, drohte der Akteur damit, sie in Tripolis vor Gericht zu stellen. Der Crew gelang es, die Situation zu deeskalieren und alle 72 Menschen zu retten.

Die Aurora 2 rettete am Montag bei zwei Einsätzen weitere 76 Menschen. Während der ersten Rettung näherte sich der Aurora 2 ein nicht identifiziertes, dunkelgraues Glasfaserboot mit vier Personen an Bord, ohne Kontakt aufzunehmen. Am selben Abend stabilisierte die Crew ein sechstes Boot in Seenot, bis die italienische Küstenwache eintraf und die Menschen an Bord nahm.

Während die italienischen Behörden der Sea-Watch 5 den weit entfernten Hafen Civitavecchia zuwiesen, wurde der Aurora 2 der Hafen Lampedusa zugewiesen, den sie gegen 21.30 Uhr erreichte. Aufgrund ihrer begrenzten Treibstoffreserven hätte die Aurora 2 keinen weiter entfernten Hafen erreichen können.

Laut dem Projekt „Missing Migrants“ der Internationalen Organisation für Migration sind seit Beginn des Jahres 2026 mindestens 1.982 Menschen im Mittelmeer gestorben oder werden vermisst.

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Sea-Watch e.V. – Zivile Seenotrettung von Flüchtenden
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