FAQ – Häufige Fragen

Das Projekt “Sea-Watch“ war ursprünglich eine Initiative von vier Familien aus Brandenburg und wird mittlerweile von ca. 150 aktiven Helfer*innen realisiert. Wir wollen nicht länger tatenlos zusehen, wie Menschen im Mittelmeer sterben. Für sie gibt es keinen legalen Weg nach Europa, um ihr Recht auf Asyl in Anspruch nehmen zu können. Allein 2016 sind mehr als 5.022 Menschen bei der Überfahrt auf dem Mittelmeer gestorben oder werden noch vermisst.1

Die Gründung des Vereins und das erste Schiff, die “Sea Watch 1”, wurde von den Initiatoren finanziert. Wir sind politisch und religiös unabhängig und finanzieren uns aus privaten Spenden. Unterstützt die Sea-Watch Missionen 2017 – jetzt hier spenden!

Zwischen Libyen und Italien verläuft eine der Hauptrouten für Flüchtende aus Ländern wie Syrien, Eritrea oder Subsahara-Afrika. Trotz der weiten Überfahrt von Libyen nach Italien kommen meist besonders kleine und seeuntaugliche Boote, wie z.B. Schlauchboote zum Einsatz. Alle, die sich zu dieser Überfahrt gezwungen sehen, begeben sich in akute Lebensgefahr. Deswegen patrouillieren wir im zentralen Mittelmeer nördlich von Libyen.

Wir leisten in Seenot geratenen Personen Erste Hilfe und retten sie vor dem Ertrinken im Mittelmeer, meist teilen wir zunächst Rettungswesten aus. Die erforderlichen Maßnahmen werden mit den offiziellen Rettungsbehörden (MRCC) in Rom abgestimmt. Außerdem hat die “Sea-Watch 2“ Wasser und Lebensmittel an Bord, um dehydrierten Menschen zu helfen. Es gibt einen Sanitätsraum, in dem wir medizinische Erstversorgung durchführen können. Die Kapazität der “Sea-Watch 2” ist zu klein, um die Schiffbrüchigen in einen sicheren Hafen zu bringen, das übernehmen größere Organisationen oder das Militär. Die Etablierung sicherer Fluchtrouten ist die Aufgabe der Europäischen Union.

Wir übergeben die Geretteten an größere Schiffe zur Überfahrt in einen sicheren Hafen, momentan geschieht dieser Transfer nach Italien. Wir setzen uns mit der Seenotrettung dafür ein, dass niemand im Mittelmeer sterben muss. Die Etablierung sicherer Fluchtrouten ist nicht die Aufgabe zivilgesellschaftlicher Organisationen. Durch unser Handeln können wir aber Druck auf die zuständigen Akteure in der Europäischen Union ausüben.

Die “Sea-Watch 2“ ist in erster Linie ein schwimmendes Auge auf See. Das ehemalige Forschungsschiff ist mit Rettungswesten und Rettungsinseln ausgestattet, um Erste Hilfe für 300 bis 500 Menschen gleichzeitig leisten zu können. Neben Sea-Watch gibt es noch weitere SAR-Organisationen wie z.B. Jugend rettet, Ärzte ohne Grenzen (MSF), SOS Mediterrannée, Pro Activa oder Sea-Eye, die zwischen Libyen und Italien im Einsatz sind. Zur Koordination der zivilen Flotte haben Sea-Watch Entwickler eine App programmiert.

Oberste Priorität ist es, die Geretteten an einen sicheren Ort zu bringen, wo sie die Aussicht auf Nahrung, Unterkunft und medizinische Versorgung haben und keine Gefährdung durch Verfolgung besteht.2

Diese Kriterien sind weder in Libyen noch Tunesien erfüllt.3  Auf Anweisung der Rettungsleitstelle MRCC übergeben wir die Geretteten an größere Partnerorganisationen. Eine Rückführung nach Nordafrika würde einen Verstoß gegen das international gültige Zurückweisungsverbot darstellen. Die Europäische Union versucht, diese Gesetzgebung zu umgehen, indem sie die sogenannte Libysche Küstenwache dafür einspannt, Flüchtende zurückzuführen. Aus unserer Sicht verstößt sie damit gegen internationales Recht.4

2 “Detained and dehumanised” – Report on human rights abuses against migrants in Libya · December 2016 · United Nations Support Mission in Libya / Office of the United Nations High Commissioner for Human Rights

3 Silenced for Decades, ‘Victims of Despotism’ Air Torture Claims in Tunisia
· November 2016 · The New York Times

4 Amnesty Tunisia report 2016 / 17 · Amnesty International

Sea-Watch setzt sich für das Grundrecht auf Bewegungsfreiheit ein. Eine Einteilung in Flüchtende und Migrant*innen anhand eines viel zu engen Katalogs von Asylgründen lehnen wir ab, zumal in vielen Fällen nicht gesichert ist, dass diese auch tatsächlich geprüft und anerkannt werden.

Würde man Auffanglager vor den EU Grenzen einrichten, wäre zu befürchten, dass viele Menschen ohne Anhörung in ihre Herkunftsländer abgeschoben würden. Dies gilt vor allem für Länder wie Tunesien, in denen es keine ernstzunehmende Asylgesetzgebung gibt.

Die große Not in ihren Herkunftsländern zwingt Menschen in die Hand von Schlepperbanden. Diese profitieren unabhängig von Rettungsaktionen auf hoher See von der ausweglosen Situation der Menschen. Die katastrophale Wirtschaftslage und fehlende Perspektiven in Libyen sorgen zudem dafür, dass das Geschäft der Schlepper boomt.

Nur legale Fluchtwege oder langfristige Verbesserungen in den Herkunftsländern können den Menschenhandel stoppen. Weil diese langfristigen Verbesserungen nicht abzusehen sind, kämpfen wir für die sofortige Etablierung legaler Fluchtwege, um das Leid der Flüchtenden in Seenot, sowie Menschenhandel und Schlepperei dauerhaft zu beenden.

Wir wollen diesen Prozess mit unserer neuen App für alle zivilen Rettungsschiffe im Mittelmeer verbessern. Unser Ziel ist es, alle Einsätze zu koordinieren, indem neu gesichtete Boote und die Lage an Bord auf der App eingetragen werden. Wie viele Menschen brauchen medizinische Hilfe? Wo sind schwangere Frauen an Bord? Wurde schon ein Signal an die italienische Küstenwache gesendet? Um effektiver zusammenzuarbeiten, werden alle interessierten Rettungsorganisationen mit einem Satelliten-Modem, einem Laptop und der von uns entwickelten Software ausgestattet.

Die Sicherheit der Crew hat oberste Priorität. Es gibt an Bord einen Sicherheitsraum und ein genaues Protokoll für den Fall eines bewaffneten Angriffs. Entsprechende Trainings werden vor dem Auslaufen mit jeder Crew durchgeführt, aber eine absolute Sicherheit gibt es nicht.

Frontex ist die europäische Grenzschutzagentur, deren Aufgabe die Koordination der Operationen an den EU-Außengrenzen ist. Oberstes Ziel von Frontex ist die Bekämpfung der illegalen Einwanderung über die EU-Außengrenzen.5 Obwohl ein erklärtes Ziel auch die Unterstützung von SAR Missionen ist, setzt sich Frontex zu wenig aktiv für die Rettung Schiffbrüchiger im Mittelmeer ein.

Der EU-Ministerrat rief die EUNAVFOR MED (European Union Naval Forces) Militäroperation im Oktober 2015 ins Leben. Die Hauptaufgabe der Mission ist die Bekämpfung krimineller Schleusernetzwerke vor der libyschen Küste. Im Juni 2016 wurde das Mandat erneuert und ein Training der sogenannten Libyschen Küstenwache und Unterstützung des UN Waffenembargos in internationalen Gewässern vor der libyschen Küste hinzugefügt.6 Die EUNAVFOR MED Mission ist also keine Seenotrettungsoperation wie die vergangene Mission Mare Nostrum.7

Wir freuen uns über Geldspenden, um auch 2017 Menschenleben im Mittelmeer retten zu können. Neben der materiellen Hilfe ist auch organisatorische Hilfe willkommen – z.B. im Basiscamp auf Malta oder für Kampagnen in Deutschland. Eine große Hilfe ist auch die Verbreitung der Idee von “Sea-Watch“ im Freundes- und Bekanntenkreis. Infomaterial für Vorträge, Konzerte, kreative Events könnt ihr hier anfordern.