Aktuelle Mission

Sea-Watch 4

Das neue Bündnisschiff im zentralen Mittelmeer

Ende Januar 2020 konnte Sea-Watch gemeinsam mit dem Bündnis United4Rescue das frühere Forschungsschiff „Poseidon“ erstehen, das auf den Namen Sea-Watch 4 getauft wurde. Möglich gemacht wurde der Kauf dank vieler Organisationen und Einzelpersonen, die das Bündnisprojekt #WirSchickenEinSchiff unterstützen und für den Erwerb des Schiffes gespendet haben.

Operationelle Vorteile der Sea-Watch 4

Die Größe des Schiffes erlaubt es, mit einer größeren Anzahl an Crewmitgliedern in den Einsatz zu fahren. Durch das Schaffen neuer Positionen an Bord stehen wir mit der Sea-Watch 4 neuen sowie altbekannten Herausforderungen gut vorbereitet gegenüber und können eine bestmögliche Sicherheit für die Gäste und die Crew an Bord gewährleisten. Neben einem Safe Space für Frauen und einem Multifunktionsraum wurde auch die Krankenstation ausgebaut. Diese war vor dem Umbau nur auf die Versorgung der Crew ausgelegt und ist nun dafür ausgerüstet, auch unsere Gäste an Bord medizinisch behandeln zu können.

Gemeinsam gegen das Sterben im Mittelmeer – Sea-Watch kooperiert mit Ärzte ohne Grenzen

Im August 2020 haben wir mit Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières/MSF) einen weiteren starken Partner für unser Bündnisschiff gewinnen können. Ärzte ohne Grenzen ist bis mindestens Ende des Jahres 2020 an Bord der Sea-Watch 4 für die medizinische Notfallversorgung zuständig, wozu auch der Betrieb der Schiffsklinik gehört. Ihr vierköpfiges medizinisches Team wird durch zwei Mitarbeiterinnen für Kommunikation und für die Belange besonders schutzbedürftiger Personen ergänzt. Die 21-köpfige Crew von Sea-Watch trägt die operative Verantwortung für das Schiff sowie für die Rettungseinsätze. Gemeinsam leisten beide Organisationen humanitäre Hilfe dort, wo die Abschottungspolitik Europas einen menschenrechtsfreien Raum geschaffen hat.

 

Erster Einsatz der Sea-Watch 4

Am 15. August 2020 verließ die Sea-Watch 4 den Hafen von Burriana, Spanien, um in ihren ersten Einsatz aufzubrechen. Unser Einsatzleiter Philipp Hahn betont die zivilgesellschaftliche Motivation hinter dem Einsatz: “Die Sea-Watch 4 und das dahinterstehende breite Bündnis sind die deutliche Antwort der Zivilgesellschaft auf die rassistische Politik der EU, die Menschen ertrinken lässt, damit sie europäisches Festland nicht erreichen.” In ihrer ersten Mission konnte die Sea-Watch 4 über 350 Menschen aus Seenot retten und in einen sicheren Hafen bringen.

Die Inbetriebnahme der Sea-Watch 4, welche nun neben der Sea-Watch 3 ebenfalls darauf hin arbeitet, dass kein Mensch mehr auf der Flucht vor Armut, Gewalt und Folter und auf der Suche nach einem besseren Leben ertrinken muss, ist mit sehr hohen Kosten verbunden. Neben den zahlreichen Umbauarbeiten, neuen RHIBs (Schnellboote/Einsatzboote) und Kränen sowie dem Material für Rettungseinsätze, wurde zur Unterstützung unserer Freiwilligen zusätzliches festangestelltes Personal auf der Sea-Watch 4 notwendig. Um Missionen mit beiden Schiffen durchführen zu können, damit kein Mensch auf der Flucht im Mittelmeer mehr ertrinken muss, sind wir deswegen auch weiterhin auf Eure Unterstützung angewiesen!

Denn ein Menschenleben ist unbezahlbar – Seenotrettung ist es nicht.

Rettung von Flüchtenden

Sobald ein Boot angetroffen wird, leisten wir Hilfe. Als Erstes lassen wir unsere Schnellboote zu Wasser und fahren die Fluchtboote an. Die Schlauch- und Holzboote sind zu instabil, um sie mit dem großen Schiff direkt anzufahren. Außerdem muss jegliche Panik verhindert werden. Ein eingespieltes Rettungsteam sorgt für größtmögliche Sicherheit für die Menschen in Seenot. Wenn wir das Fluchtboot erreicht haben, sichern wir zuerst die Menschen durch Rettungswesten und bergen gezielt medizinische Notfälle, Kleinkinder und Schwangere ab und bringen sie auf die Sea-Watch 3 bzw. 4. Ein*e Übersetzer*in erklärt den Menschen dabei das Vorgehen und beruhigt durchgängig die Situation.

Wenn schon Menschen im Wasser sind, werden große Rettungsschläuche ins Wasser gelassen, an denen sich die Menschen festhalten können. Zusätzlich werden Rettungsringe und Westen ins Wasser geworfen, um den Leuten kurzfristigen Halt geben zu können. Die beiden Schnellboote retten dann alle sich bereits sich im Wasser befindenden Personen und sichern zeitgleich das Fluchtboot, damit keine weiteren Menschen ins Wasser fallen.

Zurück an Bord versorgt unsere medizinische Crew die Gäste: Zunächst wird an die meist stark dehydrierten Geretteten Trinkwasser ausgeteilt. Danach wird gezielt auf Notfälle hin untersucht. Unbehandelte Wunden und Brüche (,die häufig von Folter aus Libyen stammen), Dehydration und starke Verätzungen (durch Benzin und Salzwasser) müssen unsere Ärzt*innen und Notfallsanitäter*innen dabei am häufigsten behandeln.

In Absprache mit der Seenotrettungsleitstelle (MRCC) in Rom werden alle Geretteten in einen sicheren Hafen gebracht. Wir versuchen hierbei die staatlichen Schiffe in Verantwortung zu nehmen, um möglichst lange das SAR-Gebiet abdecken zu können. Nur wenn das MRCC Rom uns explizit dazu auffordert, übernehmen wir selbst die Fahrten.

 

Crews

Unsere wechselnden Crews bestehen aus Nautiker*innen, Mediziner*innen und Mechaniker*innen. Während eines Einsatzes übernehmen sie alle Aufgaben an Bord.

Zusätzlich nehmen wir Journalist*innen mit auf die Missionen, um die Situation vor Ort zu dokumentieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Aber auch an Land und während der Werftzeiten arbeiten Dutzende Ehrenamtliche für einen solidarischen Umgang mit Menschen auf der Flucht. Knapp 500 engagierte Menschen aus der ganzen Welt haben sich bisher aktiv an der Arbeit von Sea-Watch beteiligt.