Aktuelle Mission

Sea-Watch 4

Ende Januar 2020 konnte Sea-Watch gemeinsam mit dem Bündnis United4Rescue das frühere Forschungsschiff „Poseidon“ ersteigern, das am 20.02.2020 auf den Namen Sea-Watch 4 getauft wurde. Möglich gemacht wurde der Kauf dank vieler Organisationen und Einzelpersonen, die das Bündnisprojekt #WirSchickenEinSchiff unterstützen und für den Erwerb des Schiffes gespendet haben.

Das Bündnis „United4Rescue“ wurde Anfang Dezember 2019 gegründet und setzt sich aus inzwischen mehr als 370 Institutionen, Vereinen, Firmen und Organisationen zusammen. Die Initiative für das Bündnis, das es sich zur Aufgabe gemacht, zivile Seenotrettungsorganisationen zu unterstützen, ging von der Evangelischen Kirche aus – mittlerweile sind aber Bündnispartner aus den verschiedensten Bereichen vertreten, auch Sea-Watch ist Mitglied des Bündnisses.

Suche nach Booten in Seenot

Das Schiff wurde auf den Namen Sea-Watch 4 getauft, da Sea-Watch die operative und finanzielle Verantwortung für die Rettungsmissionen übernehmen wird. Der Zusatz “powered by United4Rescue” soll deutlich machen, dass das Bündnis den Kauf ermöglicht hat und auch weiterhin hinter diesem Schiff steht.

Die Sea-Watch 4 soll noch im Frühjahr 2020 in ihre erste Rettungsmission starten. Nach der erfolgreichen Ersteigerung werden nun dringende Umbauarbeiten durchgeführt, um das Schiff für die kommenden Einsätze auszustatten.

Wie die Sea-Watch 3 wird auch die neue Sea-Watch 4 vor der libyschen 24-Seemeilen-Zone patrouillieren und dort aktiv nach Booten in Seenot suchen.

Rettung von Flüchtenden

Sobald ein Boot angetroffen wird, leisten wir Hilfe. Als Erstes lassen wir unsere Schnellboote zu Wasser und fahren die Fluchtboote an. Die Schlauch- und Holzboote sind zu instabil, um sie mit dem großen Schiff direkt anzufahren. Außerdem muss jegliche Panik verhindert werden. Ein eingespieltes Rettungsteam sorgt für größtmögliche Sicherheit für die Menschen in Seenot. Wenn wir das Fluchtboot erreicht haben, sichern wir zuerst die Menschen durch Rettungswesten und bergen gezielt medizinische Notfälle, Kleinkinder und Schwangere ab und bringen sie auf die Sea-Watch 3 bzw. 4. Ein*e Übersetzer*in erklärt den Menschen dabei das Vorgehen und beruhigt durchgängig die Situation.

Wenn schon Menschen im Wasser sind, werden große Rettungsschläuche ins Wasser gelassen, an denen sich die Menschen festhalten können. Zusätzlich werden Rettungsringe und Westen ins Wasser geworfen, um den Leuten kurzfristigen Halt geben zu können. Die beiden Schnellboote retten dann alle sich bereits sich im Wasser befindenden Personen und sichern zeitgleich das Fluchtboot, damit keine weiteren Menschen ins Wasser fallen.

Zurück an Bord versorgt unsere medizinische Crew die Gäste: Zunächst wird an die meist stark dehydrierten Geretteten Trinkwasser ausgeteilt. Danach wird gezielt auf Notfälle hin untersucht. Unbehandelte Wunden und Brüche (,die häufig von Folter aus Libyen stammen), Dehydration und starke Verätzungen (durch Benzin und Salzwasser) müssen unsere Ärzt*innen und Notfallsanitäter*innen dabei am häufigsten behandeln.

In Absprache mit der Seenotrettungsleitstelle (MRCC) in Rom werden alle Geretteten in einen sicheren Hafen gebracht. Wir versuchen hierbei die staatlichen Schiffe in Verantwortung zu nehmen, um möglichst lange das SAR-Gebiet abdecken zu können. Nur wenn das MRCC Rom uns explizit dazu auffordert, übernehmen wir selbst die Fahrten.

 

Crews

Unsere wechselnden Crews bestehen aus Nautiker*innen, Mediziner*innen und Mechaniker*innen. Während eines Einsatzes übernehmen sie alle Aufgaben an Bord.

Zusätzlich nehmen wir Journalist*innen mit auf die Missionen, um die Situation vor Ort zu dokumentieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Aber auch an Land und während der Werftzeiten arbeiten Dutzende Ehrenamtliche für einen solidarischen Umgang mit Menschen auf der Flucht. Knapp 500 engagierte Menschen aus der ganzen Welt haben sich bisher aktiv an der Arbeit von Sea-Watch beteiligt.