Aktuelle Mission

Sea-Watch 3

Im Sommer 2017 kam es in der Search-and-Rescue-Zone zu teils extremen Rettungseinsätzen bei denen wir mit der Sea-Watch 2 mehrmals an die Grenzen des Machbaren stießen. Bei vielen Einsätzen war die Belastung für Crew und Gerettete extrem, so z.B. tagelang mit über 260 Menschen an Bord. Um die Sicherheit für Besatzung und Gäste zu verbessern, entschied sich der Verein, ein größeres und flexibleres Rettungsschiff in den Einsatz zu bringen. Da aber die Kosten für zwei Schiffe unser Budget überstiegen, waren wir sehr erfreut, die Sea-Watch 2 an die in Dresden ansässige Organisation Mission Lifeline übergeben zu können, wo sie seitdem als „Lifeline“ im Mittelmeer im Rettungseinsatz ist.

Die Sea-Watch 3 bietet mit 55m Länge und einer höheren Ausfallsicherheit die Garantie, bei Bootsunglücken schneller, sicher und effizienter zu helfen. Vor allem aber können wir so deutlich mehr gerettete Menschen angemessen versorgen.

Seit November 2017 war die Sea-Watch 3 an der Rettung von über 3.000 Menschen beteiligt.

Suche nach Booten in Seenot

Die Sea-Watch 3 patrouilliert vor der libyschen 24-Seemeilen-Zone und sucht dort aktiv nach Booten in Seenot. Von Malta aus stechen wir mit der größtenteils ehrenamtlichen Crew in See. Sobald wir das Suchgebiet erreicht haben, fahren wir dieses einem Suchmuster folgend ab. Die Suche erfolgt per Radar, auf Sicht mit Ferngläsern und mittels weiterer technischer Hilfsmittel wie beispielsweiße mit eigens entwickelten extrem-hochauflösenden Kamerasystemen.

Vor allem in den Wintermonaten ist unser Einsatz lebenswichtig. Kleinere Rettungsschiffe können dann vor der libyschen Küste in rauer See nicht mehr sicher operieren.

Häufig bekommen wir auch vom zuständigen MRCC (Maritime Rescue Coordination Centre) in Rom oder durch Aufklärungsflugzeuge (bspw. durch die Moonbird), Positionen von Booten in Seenot mitgeteilt. Wir fahren dann schnellstmöglich zu der gemeldeten Positionen und suchen dort nach dem Boot in Seenot. Wenn wir ein Boot anfinden, leiten wir sofort die nötigen Rettungsmaßnahmen ein.

Video ThumbnailKurzfilm: Was bedeutet für Sea-Watch die Seenotrettung im Mittelmeer? - youtube Video

Rettung von Flüchtenden

Sobald ein Boot angetroffen wird, leisten wir Hilfe. Als erstes lassen wir unsere Schnellboote zu Wasser und fahren die Fluchtboote an. Die Schlauch- und Holzboote sind zu instabil um sie mit dem großen Schiff direkt anzufahren. Außerdem muss jegliche Panik verhindert werden. Ein eingespieltes Rettungssystem sorgt für größte Sicherheit für die Menschen in Seenot und für unsere Crew. Wenn wir das Fluchtboot erreicht haben, sichern wir zuerst die Menschen durch Rettungswesten und Bergen gezielt medizinische Notfälle, Kleinkinder und Schwangere ab und bringen sie auf die Sea-Watch 3. Ein Übersetzer erklärt den Menschen dabei die Prozedur und beruhigt durchgängig die Situation.

Wenn schon Menschen im Wasser sind, werden große Rettungsschläuche ins Wasser gelassen, wo sich die Menschen festhalten können. Zusätzlich werden Rettungsringe und Westen verteilt ins Wasser geworfen um den Leuten ein kurzfristigen Halt geben zu können. Unsere beiden Schnellboote retten dann alle sich bereits sich im Wasser befindenden Personen und sichern zeitgleich das Fluchtboot, damit keine weiteren Menschen ins Wasser fallen.

An Bord der Sea-Watch 3 versorgt unsere medizinische Crew die Gäste: Zunächst wird den meist stark dehydrierten Geretteten Trinkwasser ausgeteilt. Danach wird gezielt nach Notfällen Aussicht gehalten. Unbehandelte Wunden und Brüche (die häufig von Folter aus Libyen stammen), Dehydration und starke Verätzungen (durch Benzin und Salzwasser) müssen unsere Ärzte und Notfallsanitäter dabei am häufigsten behandeln.

In Absprache mit dem MRCC Rom, werden alle Geretteten in einen sicheren Hafen gebracht. Wir versuchen hierbei die staatlichen Schiffe in Verantwortung zu nehmen um möglichst lange im SAR-Gebiet bleiben zu können. Nur wenn das MRCC Rom uns explizit dazu auffordert, übernehmen wir selbst die Fahrten.

 

Crews

Unsere wechselnden Crews bestehen aus Nautiker*innen, Mediziner*innen und Mechaniker*innen. Während eines Einsatzes übernehmen Sie alle Aufgaben an Bord.

Zusätzlich nehmen wir immer Journalist*innen mit auf die Mission, um die Situation vor Ort zu dokumentieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Aber auch am Land und während der Werftzeiten arbeiten dutzend Ehrenamtliche für einen humaneren Umgang mit Menschen auf der Flucht. Knapp 500 engagierte Menschen aus der ganzen Welt haben sich bisher aktiv an der Arbeit von Sea-Watch beteiligt.