Moonbird

AKTUELLE MISSION

#Moonbird


Zivile Luftaufklärungsmission an Europas tödlicher Seegrenze

Gemeinsam mit der Schweizer humanitären Piloteninitiative (HPI) betreibt Sea-Watch seit dem Frühjahr 2017 ein ziviles Aufklärungsflugzeug vom Typ Cirrus SR22 über dem zentralen Mittelmeer. Die Propellermaschine ist dazu in der Lage, ein riesiges Seegebiet abzudecken und Seenotfälle somit früher zu entdecken und der Rettungsleitstelle in Rom zu melden. Zudem hilft das Flugzeug der zivilen Flotte bei der Koordination von Massenrettungen. Die Luftaufklärungsmission schließt so eine Lücke in der zivilen Seenotrettung.

Über 1000 Mittelmeertote verhindert: Rückblick auf 1 Jahr #Moonbird:

Das Jahr 2016 geht mit mehr als 5000 Toten als bisher tödlichstes Jahr an Europas Grenze in die Geschichte ein. Auch 2017 waren es etwa 3500. Eine Zahl, die uns fassungslos macht. Viel zu viele sind auch im vergangenen Jahr der Europäischen Abschottung zum Opfer gefallen. Doch ohne den Einsatz des Sea-Watch Aufklärungsflugzeugs #Moonbird wären es wohl bis zu 1000 Mittelmeertote mehr geworden, ohne dass die Öffentlichkeit davon mitbekommen hätte. 119 Boote in Seenot wurden von #Moonbird 2017 gesichtet. Einige davon so schwer beschädigt, dass bereits Menschen im Wasser trieben – ohne den Einsatz von #Moonbird wären sie ertrunken.

Dramatischer Einsatz am Ostersonntag

#Moonbird-Projektleiter Ruben Neugebauer beschreibt einen besonders krassen Einsatz: “Den dritten Einsatztag von #Moonbird am Ostersonntag 2017 werde ich wohl nie vergessen: „Target eleven o clock“, sagte Berufspilot Räto Vitins auf einmal und meint eine Bootsichtung Richtung Nordwest. Man hörte seiner Stimme an, dass er angespannt ist. „Das sieht nicht gut aus“, meinte er mit seinem Schweizer Akzent. Tatsächlich, unter uns sank in diesem Moment ein Schlauchboot mit mehr als 100 Flüchtenden an Bord, Menschen trieben im Wasser. Der worst case und das nach nur 3 Tagen im Einsatzgebiet.”

“Die folgenden Maßnahmen laufen immer routiniert ab. Wir schicken die Positionsdaten per Satellit an die Rettungsleitstelle und senden ein „Mayday relay“ an alle umliegenden Schiffe. Damals meldete sich die IUVENTA von Jugend Rettet über Seefunk, doch das Schiff war mehr als 10 Meilen entfernt. Es würde zu lange dauern bis die Retter das sinkende Boot erreichen. Von oben konnte ich bereits eine Person sehen, die um ihr Leben kämpfte. Dann entdeckten wir auf dem Wasser einen Fischkutter, etwa eine Meile entfernt. Aus dem Cockpit haben wir eine gute Übersicht. Der Fischer konnte das flache Schlauchboot auf diese Entfernung aber kaum gesehen haben. Wir entschlossen uns zu einem ungewöhnlichen Manöver: Im Tiefflug, knapp über der Wasseroberfläche, fliegen wir auf den Kutter zu und geben SOS Signale mit dem Landescheinwerfer. Dabei wackelten wir mit den Flügeln und begannen über dem sinkenden Schlauchboot zu kreisen. Glücklicherweise verstand der Fischer dieses Manöver und änderte seinen Kurs.

“Die Person bewegte sich nicht mehr…”

Die Person, die ich zuvor noch im Wasser schwimmen sah, bewegt sich nicht mehr. Im Frühjahr sind die Wassertemperaturen niedrig und die Menschen sind entkräftet vom Aufenthalt in den schrecklichen Libyschen Lagern. Da geht es leider extrem schnell, dass der Überlebenskampf tragisch endet. Der Fischer nähert sich zwei schwimmenden Personen, die versuchen eine weitere, offensichtlich bewusstlose Person über Wasser zu halten. Er geht routiniert vor, nimmt sie an seine Leeseite – es scheint nicht seine erste Rettung dieser Art zu sein – hier an Europas Seegrenze, den tödlichsten Gewässern der Welt. Dann meldet sich ein Schnellboot der IUVENTA über Funk, sie geben alles, in 10 min sind sie da. Als wir die kleinen Punkte am Horizont entdecken, die mit hoher Geschwindigkeit auf das kreisende Flugzeug zufahren beginnen wir im Cockpit zu weinen. Ich kann nicht sagen, ob wegen der 7 Menschen, die unter unseren Augen ertrunken sind oder wegen der mehr als 100 Menschen, die nun gerettet werden konnten, weil Räto das Boot in letzter Sekunde entdeckt hat. Unter den Ertrunkenen befand sich auch ein Kind. Erst als uns die Einsatzleiterin von Jugend Rettet bestätigt, dass sie die Unfallstelle im Blick hat, drehen wir ab und suchen nach weiteren Seenotfällen, bevor unser Sprit zur Neige geht”


Hohe Kosten für den Einsatz von #Moonbird

Unsere Luftaufklärungsmission hat an Europas tödlicher Seegrenze 2017 einen großen Unterschied gemacht – oftmals den zwischen Leben und Tod. 2018 gehen wir deswegen wieder in den Einsatz. Doch obwohl die komplette Flugzeugcrew ehrenamtlich fliegt, sind die Einsätze der #Moonbird extrem kostspielig. Etwa 34 000€ pro Monat hat der Einsatz im vergangenen Jahr gekostet, den Flugzeugkauf noch nicht mit eingerechnet. Wir danken deshalb allen ganz herzlich für die Unterstützung, die unseren gemeinsamen Einsatz mit der Humanitarian Pilots Initiative aus der Schweiz möglich gemacht haben. Unser besonderer Dank gilt der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), ohne deren großzügige Unterstützung die Sea-Watch Luftaufklärungsoperation #Moonbird 2017 wohl nie realisiert worden wäre. Außerdem der Vartan Group, welche die Wartung des Flugzeugs 2018 finanziert. Dennoch gibt es noch eine große Lücke um die Finanzierung der Einsätze weiterhin sicher zu stellen. Pro Flug entstehen Kosten von etwa 2500€.

Partner und Unterstützer

Ein weiterer Aspekt unserer Mission ist es neben der Seenotrettung, Menschenrechtsverletzungen an Europas Grenzen zu dokumentieren und so Druck auf die Europäische Union auszuüben. Die Mission und nachstehendes mission statement wird daher neben anderen NGOs der zivilen Seenotrettung auch von namhaften politischen und humanitären Organisationen wie Pro Asyl oder Medico international unterstützt. Wir sind uns sicher, dass wir hier ein Werkzeug für progressive Veränderung an den Start gebracht haben, humanitär und politisch.

Projektförderung durch EKD 2018 – 2020

Bereits 2017 unterstützte die Evangelische Kirche Deutschland (EKD) die Anschaffung der Moonbird mit 100.000 Euro. Anfang 2018 konnte Sea-Watch eine großzügige Förderzusage der EKD für die Jahre 2018 – 2020 entgegennehmen, womit die wesentlichen Kosten des Projektes gesichert sind. Hier findet Ihr mehr Infos dazu.

#MenschenrechteKeineKompromisse

Wir dürfen keine rechtsfreien Räume zulassen, in denen die Europäische Union Flüchtende zu Tausenden ertrinken lässt oder in denen völkerrechtswidrige Rückschiebungen stattfinden. Deshalb unterstützen wir eine zivile Luftaufklärungsmission über dem zentralen Mittelmeer: Ein Kleinflugzeug, betrieben von Sea-Watch und der Humanitarian Pilots Initiative, mit dem Ziel, den gemeinsamen Kampf zivilgesellschaftlicher Initiativen gegen das Sterben an der tödlichsten Grenze der Welt voranzutreiben. Mit Aufklärungsflügen über dem zentralen Mittelmeer sollen Boote in Seenot früher entdeckt, die Kooperation zwischen zivilen Rettungsorganisationen verbessert und Menschenrechtsverletzungen wie etwa Rückschiebungen aus internationalen Gewässern dokumentiert werden. Nicht zuletzt fungiert die Luftaufklärungsmission auch als Druckmittel gegenüber der Europäischen Union, mehr Rettungsressourcen zur Verfügung zu stellen.

Die Toten sind Produkt der Abschottungspolitik

Die unterzeichnenden Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen sind sich einig: Der Massenhafte Tod auf dem Mittelmeer – über 5000 Tote allein im letzten Jahr – ist politisch gewollt. Die Toten sind das Produkt der Abschottungspolitik seitens der EU, welche Flüchtende zwingt, sich Schmugglern anzuvertrauen und die gefährliche Passage zu wagen, anstatt sicher ein Flugzeug oder eine Fähre nach Europa zu nutzen. Wir fordern daher „Sichere Wege, Sofort!“

Schon morgen könnte das Sterben beendet sein. Doch die Verantwortlichen in der EU und den Mitgliedstaaten weigern sich und nutzen das Mittelmeer gerne weiter als tödlichen Festungsgraben. Anstatt etwas gegen die andauernde humanitäre Katastrophe oder die Ursachen von Flucht zu unternehmen, schottet sich die EU weiter ab. Dafür scheint kein Militäreinsatz zu teuer, man schreckt noch nicht einmal vor Kooperationen mit diktatorischen Regimen zurück. Das Sterben geht unvermindert weiter. Verstöße gegen das Nicht-Rückschiebeprinzip durch die von der EU unterstütze sogenannte Libysche Küstenwache sind an der Tagesordnung. Deshalb bleibt zivilgesellschaftliche Seenotrettung und insbesondere die Monitoring Funktion die von den zivilen Rettungsorganisationen – nun auch aus der Luft – ausgeübt wird, unabdingbar. Gegen die „Normalisierung“ von Tod und Leid. Für ein Europa des Willkommens.

Der Moonbird, nach dem das Flugzeug benannt ist, ist ein Zugvogel, der jedes Jahr über dem Meer die Strecke von der Erde bis zum Mond zurücklegt und dabei zahlreiche Grenzen überwindet. Migration hat es immer schon gegeben und es hat in der Geschichte den unterschiedlichsten Umgang mit diesem Phänomen gegeben. Abschottung hat dabei eigentlich nie wirklich funktioniert, genau dafür hat sich die EU jedoch entschieden und ist dafür offensichtlich bereit, elementarste Grundrechte zu ignorieren. Es ist völlig inakzeptabel, dass an der Wohlstandsgrenze zwischen Europa und Afrika jährlich tausende Menschen ertrinken. Mit unserem Aufklärungsflugzeug werden wir alles uns mögliche tun, um diesen Zustand zu beenden

#MenschenrechteKeineKompromisse

Wir dürfen keine rechtsfreien Räume zulassen, in denen die Europäische Union Flüchtende zu Tausenden ertrinken lässt oder in denen völkerrechtswidrige Rückschiebungen stattfinden, deshalb unterstützen wir eine zivile Luftaufklärungsmission über dem zentralen Mittelmeer: Ein Kleinflugzeug, betrieben von Sea-Watch und der Humanitarian Pilots Initiative, mit dem Ziel, den gemeinsamen Kampf zivilgesellschaftlicher Initiativen gegen das Sterben an der tödlichsten Grenze der Welt voranzutreiben.

Mit Aufklärungsflügen über dem zentralen Mittelmeer sollen Boote in Seenot früher entdeckt, die Kooperation zwischen zivilen Rettungsorganisationen verbessert und Menschenrechtsverletzungen wie etwa Rückschiebungen aus internationalen Gewässern dokumentiert werden. Nicht zuletzt fungiert die Luftaufklärungsmission auch als Druckmittel gegenüber der Europäischen Union, mehr Rettungsressourcen zur Verfügung zu stellen.

Die unterzeichnenden Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen sind sich einig: Der Massenhafte Tod auf dem Mittelmeer – über 5000 Tote allein im letzten Jahr – ist politisch gewollt. Die Toten sind das Produkt der Abschottungspolitik seitens der EU, welche Flüchtende zwingt sich Schmugglern anzuvertrauen und die gefährliche Passage zu wagen, anstatt sicher ein Flugzeug oder eine Fähre nach Europa zu nutzen. Wir fordern daher „Sichere Wege, Sofort!“

Schon morgen könnte das Sterben beendet sein, doch die Verantwortlichen in der EU und den Mitgliedstaaten weigern sich und nutzen das Mittelmeer gerne weiter als tödlichen Festungsgraben. Anstatt etwas gegen die andauernde humanitäre Katastrophe oder die Ursachen von Flucht zu unternehmen schottet sich die EU weiter ab, dafür scheint kein Militäreinsatz zu teuer, man schreckt noch nicht einmal vor Kooperationen mit diktatorischen Regimen zurück.

Das Sterben geht unvermindert weiter, Verstöße gegen das nicht Rückschiebeprinzip durch die von der EU unterstütze sogenannte Libysche Küstenwache sind an der Tagesordnung. Deshalb bleibt zivilgesellschaftliche Seenotrettung und insbesondere die Monitoring Funktion die von den zivilen Rettungsorganisationen – nun auch aus der Luft – ausgeübt wird, unabdingbar. Gegen die „Normalisierung“ von Tod und Leid. Für ein Europa des Willkommens.