12.07.2015: Status-Update zum Einsatz 5 – erneute Rettung von knapp 100 Personen

12 Jul 2015

Johannes wurde heute Morgen um 4:50 Uhr nach zwei Stunden Schlaf geweckt, die Wache Max und Kathrin haben ein voll besetztes Schiff entdeckt. 

8.00 Uhr

  • Kurs aufgenommen. Beiboot zu Wasser gelassen und fährt vor.
  • Mit MRCC Rom telefoniert.
  • Etwa 100 Personen. Wir verteilen Rettungswesten. Es befinden sich 6 Babys an Bord, für die wir keine Westen haben. 14 Frauen, 1 Schwangere.
  • Hier sind keinerlei andere Schiffe.
  • Hilfe angefordert, mit MRCC Rom telefoniert, wir fragen nach Militärschiffen – vergeblich.
  • Dann hieß es, ein Tanker soll kommen – in 5 Stunden, 3 warten wir jetzt schon.
  • Das Boot ist (noch) in einem guten Zustand. Viele der Insassen sind seekrank, vor allem die Babys.
  • Die Crew ist übermüdet. Zwei von uns schlafen derzeit, um Ressourcen und Kraft zu tanken, damit wir uns abwechseln können.
  • Wir halten mit dem Bootsführer per Funkgerät Kontakt.

Die Schlepper haben den Flüchtlingen einen Kompass mitgegeben: „Fahrt immer Richtung Norden!“ Wir halten ihn jetzt in den Händen – der Kompass zeigt nicht nach Norden.

sea-watch_einsatz_12-07-2015_02

9.00 Uhr

  • Wir warten, warten zermürbt. Der Tanker, der zu uns kommen soll, ist langsamer geworden. Warum? Wir wissen es nicht, wir warten.
  • Die Flüchtlinge stammen aus Bangladesch.
  • Das Mutterschiff ist etwa 400 Meter weit vom Boot weg. Tender ist vorne.
  • Eine falsche Bewegung von den Personen und in einer Sekunde kann aus einer sicheren Situation Lebensgefahr werden.
  • Wir haben ein gutes Gefühl, der Zustand ist ok. Unsere Rettungsinseln sind stand-by.

Wir warten.

  • Das Boot wäre noch manövrierfähig. Aber es hat noch zu viel Benzin. Benzin ist zu gefährlich – und 400 kg Gewicht können entscheidend sein.
  • Wir sind bei den Flüchtlingen, versorgen sie mit Medikamenten, haben ihnen noch einmal 100 Flaschen Wasser gebracht.
  • Der Zustand der Babys ist nicht mehr zufriedenstellend.
  • Wir würden die Frauen mit den Kindern gerne an Bord nehmen – aber alles, was wir tun, um damit zu helfen, kann schnell zu etwas werden, was schadet. Ohne ein zweites Schiff wäre das zu riskant. 6 Babys und Mütter sind was anderes als gestern das eine.

Immer der Blick auf die Uhr.

Das Update-Telefonat geht für den Moment zu Ende.

Wir bestärken uns, wir motivieren uns.

Wir machen das, wir können das! Müssten uns ausruhen – aber in erster Linie müssen wir durchhalten.

 


 

Endlich die Nachricht und Info: Alle konnten gerettet werden!

Diesmal. Aber wir werden nicht immer gegen die Zeit „gewinnen“ können.

Die EU muss endlich handeln, alles Andere ist unterlassene Hilfeleistung.

Abonniere unseren Newsletter

Pflichtfelder sind mit einem * gekennzeichnet.
Sea-Watch e.V. – Zivile Seenotrettung von Flüchtenden
This site is powered by Netlify